TOCA ME 2018 Design Conference Munich

Am Samstag, den 3.3.2018 fand im Rahmen der Munich Creative Business Week, kurz MCBW, zum wiederholten Mal die TOCA ME Designkonferenz statt. In den Räumen der Alten Kongresshalle München, nahe der Theresienwiese, trafen sich zahlreiche Kreative und Verantwortliche aus der Werbebranche, um den hochkarätigen Vortragenden zu lauschen.

Die Themenauswahl war wie immer breit gefächert, so dass für jeden Konferenzteilnehmer etwas dabei war: Ob Videokunst, Skulpturen in Handarbeit, Digital Art, klassisches Grafik-Design oder rebellische Auflehnung gegen Gesellschaftsnormen – alle Vorträge gaben spannende Einblicke in die jeweiligen Kreativwelten.

Den Anfang machte MATERIA mit ihren Main Titels. Das Berliner Designduo Susie Sie und Remo Gambacciani haben mit Makroaufnahmen von flüssigen Farben eine komplett neue Phantasiewelt aus Landschaften und Naturgewalten geschaffen. Obwohl bereits am Anfang des Vortrags das Making of der späteren Videosequenz gezeigt wurde, fühlte man sich beim Betrachten der Sequenzen, die mit der Musik von ECHO SOUND unterlegt waren, in ferne Science-Fiction-Welten versetzt. Die Imagination gewann ohne großes Zutun über das bessere Wissen. Einfach nur phantastisch! Mehr Videoclips, die die Sinne täuschen, auf den jeweiligen Seiten von Susie Sie und Remo Gambacciani oder auf materia.tv

Als unterhaltsame Zwischeneinlage und zur allgemeinen Auflockerung, gab es eine Einlage der Lichtkünstler Ulrich Tausend und Bernhard Rauscher. Frei nach dem Motto A light to remember stand ganz das Publikum selbst im Fokus. Durch die aktive Teilnahme der zahlreichen Gäste und ihrer leuchtenden Handy-Displays entstanden – in Kombination mit einer lichtstarken Spezialkamera – zahlreiche interessante Lightpaintings. (Siehe das 4. Foto unten auf dieser Seite.) Danach war die Stimmung gelöst und jeder der Konferenzteilnehmer war wach und frisch für die kommenden interessanten Vorträge:

Es folgten WILFRID WOOD, PATRICK THOMAS, MALIKA FAVRE und JARED TARBELL. Den Abend beschloss the one and only MR. BINGO, der mit seiner humorvollen Art auch zu später Stunde noch alle Konferenzteilnehmer wach hielt.

Der in London ansässige WILFRID WOOD dürfte wohl den meisten von uns durch seine legendären Masken für das Satire-Fernseprogramm Spitting Image bekannt sein. Nach einem, mehr oder weniger, klassischen Grafik Design Studium am St. Martin College in London, war er bald von seinem Job gelangweilt und beschloss, stattdessen seiner Leidenschaft zu folgen: Der Bildhauerei. Wer dabei aber nun an klassische Statuen denkt, liegt vollkommen falsch! Wilfried Wood erschafft aus Pappmaschee und Kleber Karikaturen von Mensch und Tier mit seiner ihm ganz eigenen Art von Humor. Viele seiner Arbeiten sind mittlerweile richtige Sammlerstücke. Zahlreiche Arbeitsbeispiele finden sich auf seiner Website.

Als nächster Vortragender überzeugte der Grafik-Künstler PATRICK THOMAS mit seinen Arbeiten. Neben klassischem Grafik-Design wie z.B. dem Logo für das Modelabel desigual  ist er sehr erfolgreich mit seinen künstlerischen Werken, die er im Siebruck erzeugt. Als Träger für seine meist typografischen Drucke dient dabei oftmals, was ihm gerade in die Hände fällt wie z.B. Tageszeitungen oder Kartonagen. Zahlreiche Arbeiten sind weltweit sowohl in privaten als auch öffentlichen Sammlungen zu finden. Der gebürtige Engländer lebt und arbeitet heute in Berlin, London und Barcelona. Außerdem ist er Professor für Kommunikationsdesign an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Stuttgart.

Doch zurück zum desigual  Logo: Eine wunderbare Erfolgsgeschichte dafür, sich Auftraggebern gegenüber unnachgiebig zu zeigen. Das ursprüngliche, alte Logo war aus grafischer Sicht untragbar. Patrick Thomas schlug im Gegenzug den simplen Schriftzug vor, den mittlerweile fast jeder kennt. (Siehe 6. Bild unten.) Er gab den Auftraggebern keine Vorgaben wie das Logo einzusetzen sei, sondern nur die strikte Anweisung, dass es keinesfalls geändert werden darf. Wortwörtlich: „Don’t fuck with the logo!“ Mittlerweile ist der desigual  Schriftzug, basierend auf dem Schriftklassiker Helvetica, ein bekanntes Markenzeichen geworden, das einen sehr hohen Widererkennungswert besitzt.

Wesentlich farbenfroher und bunter ging es bei der nächsten Vortragenden zu: der französischen Illustratorin und Künstlerin MALIKA FAVRE. (Siehe 8. bis 13. Bild) Oder wie sie sich selbst beschreibt: I am crazy about colour and pattern. Ihre Arbeiten haben sich über die Jahre von rein grafischen Motiven hin zu zeitkritischen, politischen und feministischen Inhalten entwickelt. Unterstützt wurde diese Entwicklung auch von Ihren Aufträgen für das Cover von The New Yorker.  Ihr plakativer Stil, der sich durch die gekonnte Handhabung von positivem und negativem Raum sowie bewusstem Einsatz von kräftigen Farbschemen auszeichnet, ist unverkennbar. Dennoch erzählt jedes Motiv seine ganz eigene, teils humorvolle oder auch sexy Geschichte und besticht so wiederum durch seine Einzigartigkeit. Seit 2004 lebt und arbeitet Malik Favre in London, wo sie sich im Jahr 2011 selbständig gemacht hat.

Der aus dem Südwesten der USA stammende JARED TARBELL wiederum erzeugt visuelle Welten der ganz anderen Art: Er programmiert am PC Systeme, die unzählige, einzigartige grafische Welten entstehen lassen. Er nennt es Beauty in Code und ist von den Ergebnissen oft selbst überrascht und fasziniert zugleich. Anhand seiner – zumindest im Verhältnis zum Ergebnis – einfachen Programmierung, erschafft er höchst komplexe Pixelwelten, die an die Entstehung des Universums erinnern. Jared Tarbell hat die Schöpfungsgeschichte durch seine Programmiercodes nacherzählt – oder soll ich sagen neu geschrieben? Ein absolut faszinierender Vortrag auch für Nicht-Programmierer!

Neben der Erschaffung abstrakter Welten ist Jared Tarbell auch erfolgreicher Mitbegründer der Platform für alles Handgemachte: Etsy. Der Online-Shop war im Jahr 2005 der erste Anbieter mit der Funktion Shop by colour.

Nach so vielen Gedanken über Programmcodes, Pixel, Fraktale, Apfelmännchen, Platonic Solids, Chaostheorie und Schöpfungsphilosophie zu später Stunde, bot MR. BINGO ein humorvolles Kontrastprogramm zum Abschluss des Abends. Neben bekannten Projekten wie Hate-Mail und seinem Rap-Video, das er extra für die Crowd-Funding-Platform Kickstarter produzierte, stellte er auch seinen Rubbel-Adventskalender vor. Inhalt sind Illustrationen von nackten Menschen jeder Statur, denen man Tag für Tag die Kleider vom Körper rubbeln kann. Als Vorlagen für die Illustrationen dienten Fotos von realen Personen, die sich über Social Media Kanäle freiwillig für das Projekt melden konnten. Mr. Bingos Beschreibung des Making-ofs hatte – wie all seine Vorträge – großen Unterhaltungswert und so ging eine weitere gelungene TOCA ME Designkonferenz mit einem Lächeln zu Ende. Ich freue mich bereits auf die nächste!